Episode Transcript
[00:00:02] Speaker A: Wenn wir eine Uhr produzieren oder eine Uhr designen, dann steht die in einem gewissen Kontext. Und dieser Kontext ist aus meiner Sicht eben nicht mehr derselbe, wie er damals war. Damals war die Uhr kam mehr aus einer Funktion heraus, also wirklich um die Zeit abzulesen. Damals war ja wirklich für viele Leute die einzige Möglichkeit, die Uhrzeit zu wissen, auf einen Kirchturm zu schauen. Heutzutage mit einem Smartphone kann jeder die Uhr zu jeder Zeit ablesen und dadurch gewinnt die Uhr an einem symbolischen Wert.
Und man wertschätzt ja wirklich mehr dann dadurch das Handwerk. Der symbolische Wert, der kulturelle Wert von dieser Uhr.
[00:00:42] Speaker B: Willkommen bei CHAPTER Talks Design, ein Podcast des Chapter Magazins. Wir sprechen mit führenden Persönlichkeiten aus unterschiedlichsten Designdisziplinen, von Mobility über Industrie und Produktdesign bis hin zur Architektur. Unsere Gäste erzählen von Designphilosophien, jene Inspirationsquellen und persönlichen Erfolgsgeschichten.
Mein Name ist Timo Schmidt, ich bin Design Director bei Chapter und unser heutiger Gast ist Pablo Widmer, Head of Product Design bei Breitling. Nach seinem Studium in Pforzheim und Stationen unter anderem bei Chopard prägt er seit 2019 die Formensprache von Breitlingen, einer Uhrenmarke, die seit über 140 Jahren für technische Präzision und markantes Design steht. Pablo Widmer beschreibt seinen Designansatz als modern retro, also einen Dialog zwischen Markenhistorie und Gegenwart. Unter seiner Leitung entstanden Neuinterpretationen ikonischer Uhrenmodelle wie der Top Kollektion oder zuletzt die neue Lady Premiere Serie, die ein historisches Damenmodell aus den er Jahren in ein zeitgemäßes Design überführt.
Ja, ich bin total happy, dass es heute geklappt hat und wir miteinander sprechen können. Ein ganz spannender Gast. Ich freue mich, Pablo, dass du heute bei uns bist und freue mich auf das Gespräch.
[00:02:00] Speaker A: Ja, ich mich auch.
[00:02:02] Speaker B: Bevor wir in deine Arbeit eintauchen, wo es ja wirklich viel Spannendes zu erzählen gibt, lass uns doch kurz persönlich werden. Welche Uhr trägst du denn gerade?
[00:02:10] Speaker A: Also heute trage ich meine Top Time Racing, die wurde auch erst vor kurzem lanciert, ist eine 38 mm Uhr mit einem rechteckigen Gehäuse, abgerundeten Kanten und darauf befindet sich ein Sonnendekor.
Und die Uhr hat da ein sehr markantes Zifferblatt. Und für mich ist es einfach die perfekte Mischung zwischen einer sportlichen und eleganten Uhr und die hat auf jeden Fall richtig Charakter und das zaubert mir schon jeden Tag ein Lächeln auf mein Gesicht, wenn ich sie trage.
[00:02:46] Speaker B: Du bist ja in deiner Karriere schon relativ früh in Richtung Uhren Schmuckdesign abgebogen. Was hat dich denn an dieser Branche so als Designer gereizt?
[00:02:57] Speaker A: Also es stimmt soweit. Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich, dass es mehr durch Zufall passiert ist und zwar, weil ich im fünften Semester hatte ich damals eine Visitenkarte bekommen von einem Schmuck und Uhrenhersteller und dadurch bin ich wirklich erst oder ist mir erst die Uhrenindustrie wirklich so im Radar gewesen.
Bedeutet davor war ich wirklich, hatte ich so ziemlich alles designt und so habe ich dann praktisch meinen ersten Schritt in die Uhren und Schmuckbranche getätigt. Und was mich besonders reizt daran mittlerweile ist wirklich, dass man bei der Uhrmacherei immer weiterlernen kann. Also umso mehr man sich in dieses Thema vertieft, umso größer wird es dann zum anderen, dass es ein Produkt ist, welches langlebig ist. Das ist natürlich als Designer schön, weil man was arbeiten kann, was auch wirklich einen gewissen Wert hat für die Person, die es kauft.
Und dann noch das ist auch für mich die perfekte Schnittmenge zwischen Design und also zwischen Funktion und Ästhetik ist wirklich so, weil es ja doch irgendwas auch mit Fashion zu tun hat. Das ist ein Accessoire, aber es ist genauso funktional. Man hat ein Uhrwerk, es ist für eine ganz bestimmte Funktion definiert und das finde ich super spannend.
[00:04:18] Speaker B: Um dass ein Uhrenhersteller eine Marke wie Breitling auf dich aufmerksam wird, muss man ja wahrscheinlich schon ganz schön was vorweisen können. Also es ist eine Marke, die hat eine lange Tradition, da muss man sich ja auf eine Art und Weise auch qualifizieren. Wie hast du das geschafft?
[00:04:36] Speaker A: Also ich würde sagen, dass man klar, als Designer muss man einfach so ein Feingefühl mitbringen und man sollte auch nie müde werden, an sich zu arbeiten, sein Handwerk zu trainieren.
Man muss ein Durchhaltevermögen mitbringen. Also spielen sicherlich viele Aspekte mit rein und also selbst wenn man der talentierteste Mensch der Welt ist, aber nicht an seinem Handwerk arbeitet, dann wird einen das auch nicht weiterbringen. Also ich denke, das ist wirklich eine Mischung aus vielen Dingen.
[00:05:10] Speaker B: Ja, da fangen wir ja schon an, so ein bisschen deine Haltung als Designer, als Gestalter schon ein bisschen zu streifen. Wie gesagt, Breitling hat eine beeindruckende Geschichte geprägt von Fliegerei, Chronographen, markanten Details, in denen man sofort erkennt, dass es sich um eine Breitling Uhr handelt. Welche von diesen historischen Elementen sind denn für dich in der Gestaltung besonders wichtig und wo siehst du da den Raum, trotzdem diese Codes in eine zeitgemäße Form zu übertragen?
[00:05:43] Speaker A: Also bei Breitling darf es auf jeden Fall immer, darf ein Zifferblatt auf jeden Fall etwas komplexer sein. Ich denke, das macht auf jeden Fall den Charme aus, aber es hängt natürlich absolut von der Uhr ab. Nicht jede Uhr braucht ein markantes oder komplexes Zifferblatt.
Also spielen da. Also sind es auch wie zwei, drei Fragen, wo findet sich da der Raum? Ich denke, dass Breitling, wie du schon selber erwähnt hast, hat eine starke Historie.
Dann hat George Kern, unser CEO, natürlich auch auch die Vision definiert, wo Breitling in der Zukunft sein will.
Und in diesem Raum hat man ja schon sehr viel Möglichkeit, sich kreativ zu bewegen und praktisch, wie setzt man das jetzt in eine Formsprache um, in eine moderne? Ich denke, jeder Designer bringt seine eigene Werkzeugkiste mit, mit seinem handwerklichen Können, seiner Inspiration, die er hat. Und diese kommt natürlich aus der jetzigen Zeit. Also alle Bilder, die wir sehen, das hat ja schon etwas mit dem Hier und Jetzt zu tun. Und so entwickelt sich natürlich auch ganz natürlich eine Formsprache, die modern ist.
[00:06:58] Speaker B: Was ist bei dir so in dieser Werkzeugkiste drin? Wo nimmst du deine Inspiration her? Ich habe mal auf deinen Instagram Account geschaut und fand den ganz cool, weil er wirklich sehr besonders ist und ganz viel von dem, wo ich mir schon dachte, du postest da über die Sachen, die dich so interessieren, sieht fast so ein bisschen aus wie ein Moodboard. Was ist das da, was dich inspiriert?
[00:07:18] Speaker A: Ja, absolut. Also zum einen sammle ich immer Bilder ganz bewusst, damit ich einfach mich mit Bild aktiv auseinandersetze, also sie nicht nur ansehe, sondern auch eine Meinung und eine Geschichte dazu entwickle. Und die, die mir am besten gefallen haben, setze ich dann eben zusammen in so ein Moodboard. Ich habe aber auch Zeichnungen, womit ich mich dann über das Thema Zeit wirklich mit der Zeichnung auseinandersetze, also es wirklich mehr einem künstlerischen Rahmen betrachte. Und ich denke, das ist natürlich auch in meiner Toolbox drin, wenn es dann wirklich ums Design geht und es wieder funktional sein muss. Und da kommen dann wirklich diese zwei Welten aufeinander, dieses ganz freie Kreative, diese Bilder, die man sammelt, sich überlegt, was einen interessiert, was hat eine gewisse Resonanz mit einem und dann eben der klare Arbeitsauftrag, der im Design natürlich bearbeitet werden muss.
[00:08:24] Speaker B: Welche Rolle spielt denn dabei dieses Erbe der Marke Breitling in deiner täglichen Arbeit? Wie gelingt es dir da was Neues immer reinzubringen und trotzdem dabei die Wiedererkennbarkeit der Marke immer zu gewährleisten?
[00:08:39] Speaker A: Also das Erbe spielt eine große Rolle. Bei uns ist ja, oder Breitling definiert sich durch modern Retro.
Das ist unsere Formsprache oder unsere, unsere visuelle Sprache. Und dadurch beginnt natürlich auch jede Uhr praktisch erstmal mit einem Research, bei dem wir sehen, okay, welche Uhr ist unsere Basis, was gefällt uns daran, was gefällt uns nicht?
Dann sehe ich sie mir natürlich an und überleg, was wollte denn diese Uhr damals sein? Was war vermutlich ihre Aussage, wo geht sie heute hin und was will ich denn heute mit der Uhr aussagen? Und das ist ganz wichtig, damit man, damit man wirklich ein klares Design Narrativ setzt und später dann natürlich im Designprozess wie bei einer Skulptur praktisch Teile wegnehmen kann oder wieder hinzufügen kann, damit man irgendwann diesen Charakter der Uhr, das Design wirklich so modelliert hat, wie man es auch am Anfang im Kopf hatte, dass es wirklich für etwas steht im Endeffekt.
[00:09:45] Speaker B: Ja, hier im Podcast haben wir schon oft mit Head of Designs, auch große Automarken gesprochen und dann haben wir schon manchmal von diesem Prozess auch so ein bisschen gehört. Bei Autos hat das natürlich eine ganz andere Dimension. Eine Uhr ist ja eher ein kleines Objekt, hat trotzdem eine starke Wirkung oder kann trotzdem, wenn sie gut gemacht ist, eine sehr starke Wirkung haben.
Was bedeutet denn diese Größe und was bedeutet es für die Art, wie du über Proportionen, Oberflächen, Details nachdenkst? Also wenn du beschreibst, was hinzufügen, was wegnehmen, da geht es ja wirklich um teilweise Millimeter, Millimeter, kleine Details.
[00:10:25] Speaker A: Also erstmal schön, dass du die Autoindustrie da erwähnst, weil ich finde, das ist, setzt es in einen schönen Kontext oder einen guten Vergleich.
Es ist auch, was ich vorhin meinte, mit einer schönen Schnittmenge die Uhr zwischen Ästhetik und Funktionalität. Ich glaube, das Gleiche hat man bei einem Fahrzeug auch. Man hat den Motor in der Uhrenindustrie, das Uhrwerk und dann kreiert man eine Form aussenrum, die natürlich funktional sein muss, aber auch einen hohen Anspruch an Ästhetik hat.
Und in Bezug auf Proportionen ist es natürlich wirklich so, dass bei einem Auto, wenn eine Kante auslaufen soll in eine gerade Fläche, dann hat man dafür 10, 15 cm Platz, um diese Transition zu machen und es sieht auch schön aus. Und das hat man natürlich bei einer Uhr nicht. Und bei einer Uhr hat man ganz viele Elemente auf einem ganz kleinen Raum und dann fängt man wirklich an, ein Zehntel Millimeter zu sehen oder wahrzunehmen, weil wenn ich dir jetzt zwei Linien zeichne, eine mit 8 Millimeter, die andere mit 9 Millimeter und sie sind ganz nah beieinander, dann wirst du es sehen, dass sie nicht gleich lang sind. Wenn ich sie aber 10, 15 cm auseinanderziehe, dann wird es dir nicht mehr möglich sein. Und das ist eben die Schwierigkeit bei einer Uhr, dass sie so sensibel für Proportionen, für gewisse Formen, Längen ist, was man so bei einem Auto natürlich nicht hat.
[00:11:54] Speaker B: Und dann kommt noch dazu, dass die Zeit ja selbst auch ein Teil der Gestaltung ist. Also das Ziffernblatt sieht ja über, ich muss kurz nachdenken, 12 Stunden am Tag immer unterschiedlich aus. Finde ich natürlich auch einen interessanten Aspekt davon. Und auch generell der abstrakte Begriff Zeit, wie schlägt sich der in der Gestaltung nieder?
[00:12:20] Speaker A: Also hat man natürlich klar die Funktion, welche abgebildet wird durch die Stundenmarker und dann die Zeiger natürlich. Und wenn man es aus einer symbolischen Richtung betrachtet, dann könnte ich jetzt hier die Lady Premier praktisch mal etwas genauer beleuchten aus visueller Sicht. Und zwar hat man, ist da eben schon auch dieser Gedanke oder die Symbolik Zeit als wertvolles Gut mit eingearbeitet, denn bei der Lady Premiere haben wir wirklich ein Detail, wirklich, dass alles umarmend wirken soll oder ist ein Key Design Feature. Und das sieht man einmal bei den Hörnern von der Seite, weil sie umgreifen das Gehäuse Mittelband. Und dann hat man aber auch von oben gesehen, also von der Top View, hat man eine Sertissage, also ein Diamanten Setting, welches eben auch diese Grafik von etwas Umgreifenden hat, also praktisch das Zifferblatt beschützt und die Zeit wahrt.
Und da gibt es natürlich je nach Uhr hat man dann mehr die Möglichkeit oder auch weniger solche Elemente in den Vordergrund zu rücken.
[00:13:41] Speaker B: Ja, das ist ein ganz schönes Beispiel gerade für diese Neuinterpretation ikonischer Uhrenmodelle, die du verantwortet hast in deiner Zeit. Schon bei Breitling, die Ladyprämie ist eine Uhr aus den ER Jahren, Da ist glaube ich das Modell zum ersten Mal aufgetaucht bei Breitling. Ein historisches Modell natürlich ER Jahre, eine ganz andere Zeit und ein ganz anderes Rollenverständnis damals natürlich auch. Das stelle ich mir als großer Herausforderung vor, das in die heutige Zeit zu übersetzen. Wie war euer euer Ansatz da?
[00:14:19] Speaker A: Also wirklich auch wieder die Basis war eben, wie du erwähnt hast, diese Premiere aus den aus den ERN und dann ging es erstmal wirklich darum, okay, was macht die Uhr aus, was ist markant an ihr? Und damals war natürlich gab es ganz andere Möglichkeiten oder heutzutage haben wir viel mehr Möglichkeiten, gewisse Formen umzusetzen, also maschinell und demnach kommt natürlich auch immer so ein älteres Modell mit Schwachstellen und dass man diese rausmodelliert und ich denke am Ende geht es wirklich darum, den Charakter der Uhr zu treffen und es war damals einfach eine formschöne Uhr und diese Formschönheit, die bringt man dann wieder in die heutige Zeit.
[00:15:11] Speaker B: Ja, also ich finde es persönlich sehr interessant. Ich habe es mir mal im Detail angeschaut. Die ist ja tatsächlich ganz neu, noch nicht mal glaube ich einen Monat jetzt veröffentlicht. Ich finde eben ganz spannend, dass es da eben nicht so traditionell feminine Codes unbedingt hat, sondern das ist für mich eine Uhr, die ist wirklich differenziert, also nicht unbedingt definiert über das Geschlecht.
Welche Rolle hat das denn bei der Gestaltung gespielt? Also wie geht ihr so ein Thema klassische Damenuhr an?
[00:15:49] Speaker A: Aus Designsicht war es mir wichtig, dass ich einfach, dass ich keine Klischees bediene. Ich denke, das ist auch nichts, was heutzutage mehr in die Zeit passt, sondern dass man das differenziert anschaut und natürlich sich überlegt, welche Details will man wirklich hervorheben und dann geht es eben in die Richtung, die du für dich wahrgenommen hast schon.
[00:16:14] Speaker B: Ja, die Marke Breitling hat sich ja auch gerade in den letzten Jahren weiterentwickelt, verändert, seitdem du da bist, seit 2019 ist da viel passiert. Wie würdest du denn die Zielgruppe der Marke heute beschreiben und wie hat sich denn in den letzten Jahren für dich verändert?
[00:16:32] Speaker A: Also Breitling ist eine inklusive Marke und das spürt man auch an unseren Markenbotschaftern, das spürt man an unserer Zielgruppe, das spürt man in unserem Produktportfolio.
[00:16:46] Speaker B: Würdest du trotzdem sagen, es gibt so den typischen Breitlingenträger oder die typische Trägerin einer Breitlingen Uhr.
[00:16:57] Speaker A: Also für mich wäre es jemand, der sich selbst nicht zu ernst nimmt.
Also bei Breitling ist auch immer das Thema Humor mit dabei, sei es jetzt bei unseren Designs oder auch bei anderen Assets, die man von Breitling sieht.
Und natürlich schon jemand oder für mich jemand mit Charakter, jemand, der einfach zu sich steht, damit fein ist. Und daher kommt dann eben auch diese Humor, die man mit sich bringen kann, weil man einfach auch über sich lachen kann und Sachen nicht extrem ernst immer nehmen muss. Und das würde ich sagen, ist so die Person, die wir ansprechen.
[00:17:41] Speaker B: Um jetzt auch noch mal auf die Automarken zurückzukommen. Das ist ja oft so, dass die Head of Designs auch zunehmend in der Gestaltung des gesamten Markenauftritts mitwirken.
Wie ist es bei Breitling? Wie arbeitest du mit Kommunikation, Marketing, Strategie zusammen?
[00:18:00] Speaker A: Also wir sind auf jeden Fall gut aufgestellt.
Wir haben wirklich die Departments, die jeder natürlich für einen bestimmten Aufgabenbereich zuständig sind, aber wir bearbeiten natürlich auch Dinge im Kollektiv und kommunizieren viel. Ich meine, ein Design Narrativ und ein Marketing Storytelling Narrativ, das muss natürlich miteinander funktionieren und das kann nur passieren, wenn die Kommunikation stimmt, was sie bei uns auf jeden Fall tut.
[00:18:30] Speaker B: Kannst du uns so ein bisschen durch so einen typischen Arbeitstag von dir mitnehmen? Wie sieht da dein Alltag als Head of Product Design denn aus?
[00:18:40] Speaker A: Natürlich, mein Alltag bewegt sich zwischen Strategie, Austausch und kreativem Output, würde ich sagen.
Und es beginnt dann wirklich meistens damit, dass ich erstmal Prioritätenabgleich, dann schau, wo gibt es strategisch was zu tun?
Sprich braucht mein Team Feedback? Wo müssen Entscheidungen getroffen werden?
Und dann gibt es Raum für Austausch und für Gespräche, weil das ist natürlich auch die Basis für kreatives Arbeiten.
Und wenn ich dann selbst noch Zeit habe, dann designe ich natürlich noch gerne.
[00:19:19] Speaker B: Selbst, so wie man sich vorstellt, so ganz klassisch Tür zu, Zettel dran, bitte nicht stören. Und dann zeichnest du oder wie sieht es aus bei dir?
[00:19:31] Speaker A: Ja, das ist tatsächlich wirklich so. Also wenn ich dann wirklich ein Thema habe, das ich bearbeiten will und darf, dann erreicht mich tatsächlich niemand mehr, außer die CEO, um ehrlich zu sein. Und dann bleibt auch erstmal sehr viel liegen.
Aber das braucht es und das macht auch wirklich Spaß, dann so zu arbeiten.
[00:19:58] Speaker B: Welchen Stellenwert hat denn, also machst du dir auch Gedanken darüber, welchen Stellenwert eine klassische A Banduhr heutzutage überhaupt hat, in einer Zeit, wo eben viele Menschen nur noch auf ihre digitalen Geräte schauen. Ist das ein Gedanke, mit dem du dich beschäftigst?
[00:20:18] Speaker A: Natürlich, natürlich.
Ich denke, der Gedanke ist allein schon aus dem Grund wichtig, weil man ja nichts ohne Kontext kreiert. Das heißt, wenn wir eine Uhr produzieren oder eine Uhr designen, dann steht die in einem gewissen Kontext. Und dieser Kontext ist aus meiner Sicht eben nicht mehr derselbe, wie er damals war. Damals war die Uhr kam mehr aus einer Funktion heraus, also wirklich um die Zeit abzulesen. Damals war ja wirklich für viele Leute die einzige Möglichkeit, die Uhrzeit zu wissen, auf einen Kirchturm zu schauen.
Heutzutage mit einem Smartphone kann jeder die Uhr zu jeder Zeit ablesen und dadurch gewinnt die Uhr an einem symbolischen Wert. Und man wertschätzt ja wirklich mehr dann dadurch das Handwerk, der symbolische Wert, der kulturelle Wert von dieser Uhr. Also es geht, klar, die Funktion muss immer noch stimmen, aber es geht ja wirklich mehr um die Symbolik dahinter, ob die Uhr dann wirklich zu der Person passt und spricht die Uhr oder spricht die Uhr für mich? Also resoniert sie in irgendeiner Art und Weise mit mir. Und ich denke, das sind so die, sind so mittlerweile die Main Features oder diese Main Targets, die ich da sehe.
[00:21:36] Speaker B: Das wäre ja dann nochmal eine ganz andere Ebene. Also ich wollte dir gerne die Frage stellen, ob du eine Breitling eher als Schmuckstück oder Gebrauchsgegenstand siehst, aber was du gerade schon angeschnitten hast, ist ja eigentlich noch mal eine ganz andere Ebene.
[00:21:51] Speaker A: Für mich ist eine Breitling beides. Wir haben natürlich ist Breitling bekannt dafür, dass wir sehr funktional sind. Wir haben die Navitimer, wir haben die Chronomat, vieles, was aus einem klaren Funktionshintergrund kommt, was ja auch wichtig ist und vor allem, wofür ich auch als Designer stehe. Aber dann haben wir auch Uhren wie die Lady Premier, welche schon mehr in Richtung Schmuckstück geht und das auf vielen Ebenen aus meiner Sicht.
Und einen Gebrauchsgegenstand sind aus meiner Sicht alle, also egal, ob es jetzt eine Schmuckuhr ist oder ob es doch etwas ist, was sehr funktional wirkt. Aber laut Definition ist ja ein Gebrauchsgegenstand etwas, das ich mehrfach und immer wieder benutzen kann und nie an seiner Funktion verliert. Und das ist, was die Uhr auf jeden Fall ist.
[00:22:44] Speaker B: Genau. Ja, Gebrauchsgegenstand klingt vielleicht für manche erst mal so ein bisschen abwertend, irgendwas, was einfach nur da ist, um irgendwie benutzt zu werden. Aber wie du schon sagst, also allein dieser Luxus in Anführungsstrichen, dass heutzutage jeder von uns die Zeit mit sich trägt und ablesen kann und nicht darauf angewiesen ist, woanders sich diese Information zu holen, ist ja eigentlich schon schon interessant.
[00:23:14] Speaker A: Und ja, ich finde, also aus meiner Sicht ist eben dieses Wort Gebrauchsgegenstand, das klingt erst ein bisschen, hat so, hat so ein Geschmäckle, wie man sagt bei uns.
Aber das ist es gar nicht. Ich meine, es ist doch schön, dass wir Produkte haben oder noch haben können und dürfen, welche wirklich ein ganzes Leben lang funktionieren oder auch länger und dass man es immer wieder auspacken kann und es funktioniert.
[00:23:41] Speaker B: Insofern ist es ja vielleicht auch auf einer gewissen Ebene, allein das schon der Luxus, also ein Objekt zu haben, das so ästhetisch ist und so funktional.
Was bedeutet denn für dich Luxus oder was bedeutet vielleicht für dich gerade im Jahr 2025 Luxus?
[00:24:02] Speaker A: Luxus für mich bedeutet tatsächlich, dass man sich Zeit für etwas nimmt.
Ich würde sagen, in der heutigen Zeit ist es das, was für mich Luxus beschreibt wirklich. Und das funktioniert natürlich auf vielen Ebenen. Wir werden jetzt, wo wir sehen, wo wir uns hinbewegen mit AI, dass alles noch mal effizienter wird, denke ich, gibt es auch die Gegenbewegung, dass eben die Leute wieder mehr Wert auf Handwerk legen, man sich die Frage stellt, wer hat daran gearbeitet, wie lang Zeit ist da in dieses Produkt hineingeflossen?
Und so ist eben dann auch der Luxus, dass ich mir dann sage als Käufer, hey, ich habe so viel und so lange dafür gearbeitet und genau aus diesem Grund kaufe ich mir jetzt diese Uhr.
Und diese Uhr steht ja dann im Endeffekt genau für das, dass ich, dass ich weiß, hey, ich habe viel gearbeitet, ich habe hart gearbeitet dafür. In dieses Produkt ist viel Zeit hineingeflossen. Es wird von Menschenhand gemacht zum Großteil. Und das ist eben für mich der Begriff Luxus.
[00:25:15] Speaker B: Also eigentlich der Luxus, nicht auf die Uhr schauen zu müssen, also Zeit wirklich einfach zu haben. In welchen Momenten schaust du denn bewusst nicht auf die Uhr, außer wenn du dich vielleicht zum Zeichnen verkriechs?
[00:25:31] Speaker A: Also das wäre natürlich meine Antwort gewesen tatsächlich, dass ich sage, hey, beim Designen, da bin ich im besten Fall wirklich im Flow und dann vergeht die Zeit, ohne dass man mitbekommt, wie lange man dran sitzt.
Aber damit ich jetzt noch ein zweites Beispiel gebe, ich bin auch ehrlich gesagt ab und zu ein ganz schön verträumter Typ und dann merke ich einfach, wie ich irgendwo stehe, irgendwo sitz und total in Gedanken versunken bin. Und das sind aber auch die Momente, wo ich mittlerweile echt gerne hab und wo ich tatsächlich nicht durch Zeit oder sonstiges oder durch Zeit rausgerissen werden will.
[00:26:18] Speaker B: Du hast das Thema AI auch schon so ein bisschen angesprochen.
Viele technische Neuerungen erleben wir gerade wirklich in so kurzen Abständen, dass man das teilweise gar nicht richtig verarbeiten kann.
Was steht denn so technologisch in eurem Gewerbe als nächstes an? Also als Designer lebst du ja immer auf eine Art und Weise ein Stückchen in der Zukunft.
Gibt es da irgendwas, wo du sagst, da kann man sich in Zukunft noch mal vielleicht ganz andere Sachen vorstellen?
[00:26:55] Speaker A: Also ich bin natürlich immer gespannt, was für neue Technologien es gibt, Sei es jetzt zum einen aus einer gestalterischen Sicht, aber auch aus einer funktionalen Sicht oder aus was kann man denn fertigen in Zukunft? Wie können wir noch besser Flächen modellieren auf so kleinem Raum, wie wir arbeiten? Das ist nicht einfach.
Und dann wäre es jetzt zum Beispiel eine Idee, wo ich mir die Frage stelle, ab wann ist denn AI so weit, dass ich tatsächlich sage, okay, jetzt hilft es mir wirklich bei meiner täglichen Arbeit? Und das sind dann Sachen, wo ich dann klar noch Design, aber dass ich dann zum Beispiel sage, ja, jetzt die Zifferblatt Farbvarianten, dass ich die nicht mehr alleine einkolorieren muss, sondern dass ich dann wirklich einen Prompt schreibe und er mir die Arbeit übernimmt, aber nicht den ganzen Kreativprozess.
Und das sind halt so die Fragen. Und da schaue ich schon sehr, schaue ich schon mit Argusaugen zu, was da passiert und welche Tools es gibt. Aber bisher benutzen, benutze ich keine und auch das Team nicht für Design, also fürs Design.
Und ich denke, das ist auch sehr wichtig, dass man das ganz, ganz, ganz, ganz, ganz scharf abwägt, weil die Uhrenindustrie wirklich auch eine traditionsreiche Industrie ist. Und es geht so viel um eben dieses Handwerk und diese Verbindung zum Mensch. Und deswegen ist es natürlich, deswegen wird das auch zumindest Stand heute ist es ganz klar mein Nordstern da.
[00:28:42] Speaker B: Vorhin haben wir schon über Lady Premiere gesprochen, euer neuester Launch, gerade erst einen Monat im Laden. Da ist es vielleicht schon erst überhaupt zu früh darüber zu sprechen, was als nächstes kommt. Vielleicht kann uns trotzdem einen kleinen Einblick bekommen, was ganz konkret gerade in der Pipeline ist.
[00:29:00] Speaker A: Also es ist natürlich eine Menge in der Pipeline und ich denke jeder Hörer oder auch du kannst, kann schon gespannt darauf sein, was in Zukunft rauskommen wird. Und ich denke, da wird auf jeden Fall für jeden was dabei sein, weil wir mittlerweile wirklich von Lady Premiere bis zu einer Avenger was haben oder auch einer Chronomat und es sind so verschiedene Produkte und ich denke, da gibt es dann immer wieder ein Thema, das ganz besonders eine Person oder die andere anspricht und ich glaube, damit kann ich das ganz gut zusammenfassen.
[00:29:41] Speaker B: Du machst es spannend. Okay, dann wünsche ich dir auf jeden Fall viel Erfolg für die nächsten Projekte und bedanke mich vielmals für das spannende Gespräch und den Einblick in deine Arbeit.
Danke dir.
[00:29:53] Speaker A: Vielen Dank, Timo. Hat mir auch Spaß gemacht und hoffentlich bis bald mal wieder.
[00:30:00] Speaker B: Das war die heutige Episode des Chapter Talks Podcast. Mein Name ist Timo Schmid und ich bedanke mich im Namen des gesamten Chapter Teams fürs Zuhören. Wir würden uns freuen, wenn Sie unseren Podcast Kanal abonnieren, teilen und kommentieren. Regelmäßige Updates und multimediale Features rund um die Themen Design, Innovation und Mobilität finden Sie auf Chapter digital und auf Instagram. Dort finden Sie uns unter Chapter Magazine.