Episode Transcript
[00:00:01] Speaker A: Wenn ich jetzt das Glas, das auf dem Tisch steht, angreife und es hat eine besondere Haptik, das ist relativ leicht, das ist zart, der Stil fühlt sich irgendwie organisch an, dann ist es so für mich der erste Moment des Innehaltens. Dann denke ich, okay, wow, krass, hier passiert irgendwas und bin automatisch aufmerksamer und verlangsame vielleicht auch den Rhythmus. Dann fange ich an, das Glas zu schwenken und nehme wahr. Und das finde ich ist eine Eigenheit unserer Gläser, dass ich Beine unglaublich gerne in diesem Glas oder in den Gläsern schwenke, weil die Form wirklich dazu einlädt. Und das ist, glaube ich, auch ein stilbildendes Element des Glases. Dieser Knick lädt dich wirklich dazu ein, die Flüssigkeit in dem Glas zu schwenken.
[00:00:38] Speaker B: Willkommen bei Chapter Talks Design, ein Podcast des Chapter Magazins. Wir sprechen mit führenden Persönlichkeiten aus unterschiedlichsten Designdisziplinen, von Mobility über Industrie und Produktdesign bis hin zu Architektur. Unsere Gäste erzählen von Designphilosophien, ihre Inspirationsquellen und persönlichen Erfolgsgeschichten.
Mein Name ist Timo Schmid, ich bin Design Director bei Chapter und unser heutiger
[00:01:02] Speaker C: Gast ist Lukas Terre.
[00:01:04] Speaker B: Bei Josefinenhütte, einer Glasmarke, die für innovatives Design und anspruchsvolles Handwerk bekannt ist, verantwortet er als Chief Product Officer gemeinsam mit Mitgründer und Chefdesigner Kurt Josef Zaltow die gesamte Produktentwicklung.
Sein Hintergrund als Sommelier bringt zudem eine Perspektive ein, die sich mit der Frage auseinandersetzt, wie Form, Wahrnehmung und Gebrauch einander beeinflussen. So trifft in seiner Arbeit sensorische Analyse auf Glasmacherkunst und strategische Produktentwick.
[00:01:36] Speaker C: Ich freue mich wahnsinnig, dass es heute klappt. Ich freue mich auf ein ganz, ganz spannendes Thema heute mit dir und freue mich auf die nächsten Minuten spannenden Input und Insights von dir.
[00:01:47] Speaker A: Cool, ich freue mich total, dass ich eingeladen bin und bei euch zu Gast sein darf.
[00:01:52] Speaker C: Ja, wir reden heute über Glas als Designobjekt, habe ich mir so aufgeschrieben. Ob man das so für euch sagen kann, wirst du mir sicherlich gleich erklären. Was mir aufgefallen ist, wenn man über Glas liest oder sich Dinge über Glas Glas anschaut, wird da über Glas oft sehr technisch und handwerklich gesprochen, seltener über Glasgestaltung als eigenständigen Bereich im Design. Woran denkst du denn, liegt das?
[00:02:21] Speaker A: Ja, ich glaube, dass in der breiten Maße noch gar nicht wirklich angekommen ist, dass Gläser unsere Wahrnehmung so stark beeinflussen und auch dadurch beeinflussen, wo unsere sensorische Aufmerksamkeit hingelenkt wird. Und ich glaube, dass die Form und damit auch das Design halt entscheidend dafür ist. Und deswegen freue ich mich eigentlich umso mehr, wenn ich mich mit Menschen drüber unterhalten kann, um Aufmerksamkeit dafür zu generieren, weil ich am eigenen Leib immer wieder erfahre, was das für einen Unterschied macht. Und ich glaube, wenn Menschen das einfach bewusster wird, dass ein Class darüber mitentscheidet, wie sehr sie auch einen Moment genießen können, dann wird, glaube ich, das Design in der Classgestaltung auch viel, viel wichtiger und bekommt automatisch auch einen höheren Stellenwert.
[00:03:10] Speaker C: Denkst du, dass es da so vielleicht so einen kleinen magischen Moment gibt, wenn ein Glas zu einem gestalteten Objekt wird und eben nicht nur zu einem Gefäß?
[00:03:19] Speaker A: Ja, also auf jeden Fall. Also für mich jetzt aus Betrachterperspektive passiert das dann, wenn ich das Gefühl habe, dass das Glas, das vor mir steht, eine eigene Identität hat, also so eine fast wie eine Seele auch. Und konkret oder konkreter wird es für mich, wenn ich eine Form entdecke, vor der ich stehe oder die ich irgendwo sehe und die mich innehalten lässt, die mich neugierig macht und wo ich dann anfange mich zu fragen ist, was hat derjenige oder diejenige sich dabei gedacht, warum wurde das Glas so gezeichnet, so entworfen? Und das kann für mich schon visuell passieren, also durch das reine Sehen. Das kann aber auch passieren beim ersten in die Hand nehmen, dass ich von der Haptik her denke, okay, das macht mich neugierig. Oder spätestens dann, wenn ich zum ersten Mal an meine Lippe führe und wirklich so die Berührung von Glas und Mund habe und dann beim Verkosten.
Und in meiner Erfahrung entstehen solche Gläser immer dann, wenn das entweder Menschen sind, die sich so mit allen möglichen Details komplett auseinandergesetzt haben und sich wirklich überlegt haben, warum ist jetzt die Wirbung des Glasrandes so, die Formung des Kelches so und oder es kann auch dann entstehen, wenn jemand einen ganz anderen Weg geht und dem Ganzen einfach so einen Flow gibt und völlig intuitiv das macht. Also es gibt auch Leute, die Freiformgläser blasen, die eignen sich dann jetzt weniger zum Verkosten, aber auch die haben eine gewisse, ja auch eine Identität, einen eigenen Charakter. Und deswegen ist es, glaube ich, spannend. Ich glaube, das, was denen Identität und Seele verleiht, ist, glaube ich, so die Intention derjenigen, die dieses Glas geschaffen haben. Egal, ob es dann in die eine Richtung oder in die andere Richtung geht.
[00:04:57] Speaker C: Ich glaube, wir müssen unsere Zuhörer und Zuhörerinnen, die jetzt noch gar keine Idee haben, was bei euch bei Josefinenhütte passiert, ein bisschen ins Boot holen. Ihr macht Leser. Du hast einen ganz interessanten Background, denn du bist ausgebildeter Sommelier und verantwortest als Chief Product Officer bei Josefinenhütte die ganze Produktlinie, die ganze Produktbreite und auch die Marke. Wie sieht denn dein Job aus? Was gibt es denn bei Josefinen Hütte für dich zu tun?
[00:05:29] Speaker A: Ja, es gibt einiges zu tun. Also ich habe mich jetzt längere Zeit auch um die Marke mitgekümmert, fokussiere mich aber jetzt eigentlich in Zukunft noch deutlich stärker auf Produktentwicklung. Und wir haben weitere Spezialistinnen im Team, die das Thema Marke dann federführend weiter betreuen und auch weiterentwickeln. Und ich bin jetzt sehr, sehr fokussiert auf Produktentwicklung, Produktinnovation und das aber natürlich auch nicht alleine, sondern zusammen mit unserem Designer Kurt Josef Zaltow.
Und mit ihm zusammen bin ich dabei, jetzt gerade auch dieses Jahr immer wieder neue Gläser zu entwickeln für unterschiedliche Getränkekategorien. Also wir haben unsere Wurzeln im Wein und über den Wein hinaus gibt es natürlich aber noch andere spannende Getränkekategorien, denen wir uns widmen werden oder widmen auch schon.
[00:06:14] Speaker C: Wie bist du an diesen sehr speziellen Job und diese sehr spezielle Branche gekommen?
[00:06:21] Speaker A: Über viele, also ich will gar nicht sagen Umwege, aber das war kein linearer Lebenslauf sozusagen, sondern es war irgendwie immer so zwei Komponenten in mir drin. Die eine Komponente relativ vernünftig und so das Bedürfnis, irgendwie fundiert seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Das hat mich dazu gebracht, BWL zu studieren und dann eine sehr kulinarisch genussorientierte Komponente.
Und die hat mich dann erst in das Thema Spirituosen stark reingebracht, dann das Thema Wein, Schaumwein. Und da kamen viele verschiedene Stopps dann auf den Weg dazu, von der Arbeit in Start ups hier, also Food Startups in Berlin, bis über die Arbeit als Sommelier in der Weinbar. Und was ich eigentlich an einem bestimmten Punkt gemerkt habe, als ich in dem Startup gearbeitet habe, war einfach, dass mir der reine BWL Alltag einfach nicht ausreicht und dass diese Leidenschaft für Wein und Kulinarik einfach zu groß ist. Und dann habe ich mehr oder weniger diesen Job über Bord geworfen und habe mich erst mal zwei Jahre lang eigentlich nur auf Kulinarik und Wein fokussiert, habe angefangen Sommelier Ausbildungen zu machen und hab interessanterweise, während ich das gemacht habe, auch festgestellt, dass mich das jetzt gar nicht so sehr interessiert, wie dicht die Rebstockdichte im Yarra Valley in Australien ist oder wie hoch die Hektarträge im Prosecco Gebiet sind, sondern dass mich eigentlich fasziniert, was am Gaumen passiert, also wie man Weinsäure von Äpfelsäure unterscheidet und solche Geschichten. Und deswegen habe ich mich in Sensorik noch mal oder in sensorische Analyse von Wein noch mal vertieft und wusste aber gar nicht so richtig, was ich damit jemals beruflich anfangen will. Und habe aber auf dieser Weinreise schon irgendwie 2019 Josefinenhütte Gläser kennengelernt bei so einem Aha Erlebnis in einem Berliner Sterne Restaurant. Und das hat für mich so einen Horizont neu aufgemacht und mich so fasziniert, dass ich wusste, okay, da will ich einfach tiefer reingehen.
[00:08:15] Speaker C: Also ist eigentlich diese Faszination für Glas und Glasdesign, Glas als Designgegenstand während dieser Tätigkeit als Sommelier entstanden oder war dir eigentlich diese Bedeutung schon vorher klar?
[00:08:29] Speaker A: Die war mir tatsächlich schon vorher klar. Die ist mir wirklich durch so einen Aha Moment 2019 klar geworden, als ich in diesem Sterner im Nobelhart und schmutzig in Berlin saß und der Inhaber und Sommelier hat irgendwie mitgekriegt, dass ich sehr weinaffin bin. Ich kam dorthin, um bestimmten Wein aus Miura zu trinken und den hatte ich schon öfter. Und dann hat er mir den serviert aus einem Glas, das ich auch kannte und damals total mochte. Und dann hat er so Du scheinst dich irgendwie für Wein zu interessieren, hättest du Bock auf ein Experiment? Und klar, sehr, sehr gerne. Und dann, ja, ich habe hier irgendwie vorgestern neue Gläser gekriegt und die bin ich gerade am verkosten und überlegen, was ich damit mache. Hättest du Bock, den gleichen Wein mal aus zwei Gläsern zu probieren? Und er auf jeden Fall.
Und Dann hat er mir den Wein im zweiten Glas eingeschenkt und ich probiere den Wein aus dem zweiten Glas und dachte auf einmal so, das ist ja verrückt. Das war wie als wäre ich in einem Raum, den ich eigentlich schon richtig gut kenne.
Und dann gibt es in diesem Raum auf einmal noch eine Tür, die ich vorher nicht gesehen habe. Und dann gehe ich durch diese Tür durch und komme in den zweiten Raum, in dem es noch wahnsinnig viele neue Sachen zu entdecken gibt, von denen ich vorher gar nicht wusste, dass sie existieren. Und dann war ich krass, was ist das denn? Und habe ihn gefragt, was ist denn das für ein Glas? Und dann sagt er so ja, das ist die Josefine Nummer 3, aber die gibt es noch gar nicht. Und da war ich so okay, ich brauche dieses Glas. Und dann hat er mich witzigerweise mit dem immer noch heutigen Geschäftsführer auch connected. Und so bin ich auf Josefine Hütte aufmerksam geworden. Also dann habe ich noch lange nicht für sie für Josefine Hütte gearbeitet, aber das war der Erstkontakt sozusagen.
[00:10:08] Speaker C: Und jetzt bist du Teil aller Prozesse, die dahin führen, dass letztendlich jemand wie du dann im Restaurant sitzt und dieses Glas vor sich hat. Ist ja auch manchmal ganz interessant, wie man so von so einem Erlebnis, wie du es gerade so schön beschrieben hast, dann dahin kommt, oder?
[00:10:26] Speaker A: Ja, also ich hoffe natürlich, dass es mehreren Menschen so geht, dass sie diese Aha Erlebnisse haben können.
[00:10:32] Speaker C: Ja, wenn man sich ein bisschen mit dem Unternehmen beschäftigt und wie dort Gläser entstehen, dann fällt einem relativ schnell auf, das ist jetzt kein Zufall, dieses Erlebnis, das du da hattest, sondern das ist genauso gewollt und das genau ist das Ziel. Lasst uns darüber sprechen, wie funktioniert das Ganze? Wie beginnt bei Josefinenhütte konkret die Entwicklung von einem Glas? Wie entsteht ein Glas?
[00:10:58] Speaker A: Es kann ganz unterschiedlich sein. Ich glaube, dass so richtig gute Gläser meistens mit einer Faszination für ein bestimmtes Getränk beginnen.
Und dann folgt darauf ein relativ ausgeklügelter Prozess, aufgeteilt in Research, in Prototyping und unterschiedliche Iterationen.
Aber bevor das eigentlich beginnt, stellen wir uns jetzt natürlich auch noch die Ist es nicht nur ein faszinierendes Getränk, sondern gibt es dafür auch einen Markt? Also sehen das jetzt nicht nur wir intern so, dass es spannend ist, sondern gibt es genügend Menschen global gesehen, die das spannend finden und die ein Bedürfnis nach einem extrem guten Glas für dieses jeweilige Getränk haben. Wenn die Antwort auf die Frage ja ist, dann geht es eigentlich in die Produktentwicklung. Wenn die Antwort auf die Frage Nein ist, dann wird das Thema erst mal pausiert.
Und gleichzeitig gibt es natürlich auch den anderen Weg, dass wir entweder, dass wir vom Markt angesprochen werden. Es wäre doch super spannend, wenn ihr ein Class für XY Z machen würdet. Oder wir selber uns den Markt angucken und überlegen, okay, da gibt es anscheinend ein großes Bedürfnis nach einem Glas und auch das kann ein sehr, sehr relevanter Absprungspunkt für uns sein, um mit der Entwicklung eines Glases zu starten.
[00:12:08] Speaker C: Also eigentlich so ein bisschen das, was du beschrieben hast, welche zwei Pole auch in dir sitzen. Einmal vielleicht die Faszination. Es gibt ein Getränk, aus dem kann man noch vieles rausholen, also die kulinarische Komponente, aber auf der anderen Seite natürlich auch die ökonomische.
Ja, das ist ja eigentlich ganz gut getroffen dann, dass du da gelandet bist.
[00:12:31] Speaker A: Ja, also ich glaube ja, macht schon Sinn, dass beides, dass beides da ist. Ich glaube, das eine würde ohne das andere langfristig einfach nie funktionieren.
[00:12:41] Speaker C: Gibt es auch vielleicht mal so einen Moment, wo es eine gestalterische Idee gibt und man sagt, man kommt aus einer Form und schaut, welche Vorteile Rolle hat die für ein gewisses Getränk?
[00:12:54] Speaker A: Interessanterweise Ja, also die gibt es immer wieder inspiriert von Kurt, weil der während des Prozesses immer wieder auf, Also ich versuch schon sehr, sehr viele Dinge zu hinterfragen und sehr detailliert zu hinterfragen und immer wieder zu gucken auch, also mit wissenschaftlichen Backups oder mit ganz vielen Tasting Panels und verkost selber wahnsinnig viel blind, um das immer wieder zu zu optimieren und zu gucken, wie weit man gehen kann. Und dann kommt Kurt aber immer wieder mit Formen um die Ecke, die ich so gar nicht auf dem Schirm hatte und die dann aber eigentlich in der Praxis das umsetzen, was ich mir sensorisch gewünscht habe, wo irgendwie durch reines Zuhören oder auch ganz oft durch Inspiration aus der Natur auf einmal mit Formen um die Ecke kommt, die dann einfach unglaublich gut funktionieren. Und das, das sind fast so magische Momente, wo du dann auf einmal so einen Prototyp vor dir hast und das Getränk draus verkostest und dachtest, okay krass, wie hat er das jetzt eigentlich schon wieder gemacht. Und das ist das, was mich in der Zusammenarbeit mit ihm auch immer wieder fasziniert, dass egal wie viel wissenschaftliche Mühe man sich gibt, dass es doch immer wieder Dinge gibt, die man nicht im letzten Detail erklären kann und die so eine gewisse Magie mit sich bringen.
[00:14:10] Speaker C: Dazu kommt natürlich, dass auch Wein und ein Weinglas natürlich auch ein Kulturprodukt ist, das natürlich auch historisch und eben kulturell sehr codiert, sehr aufgeladen ist. Welche Rolle spielt das bei euch? Strebt ihr da eher nach einem zeitlosen Design oder gibt es da auch die Möglichkeit, historische Referenzen mit aufzunehmen?
[00:14:37] Speaker A: Ich habe darüber auch schon oft mit Kurt gesprochen und ja, er vertritt die Auffassung, dass Glas zwar immer auch Moden und Epochen unterliegt, aber das richtige Glas Kunst in diesen jeweiligen Epochen und dazu zähle ich auch die Gläser, die wir machen, weil da einfach so viel Künstlerisches auch drinsteckt. Und diese Glaskunst in jeder Epoche hat immer eine gewisse Zeitlosigkeit auch erlangt darüber, dass sie auch in anderen Epochen, die danach gefolgt sind, große Anerkennung erfahren hat. Also deswegen ist es, glaube ich, irgendwie so ein Ja und Nein. Also nein, ich glaube nicht, dass es eine Zeitlosigkeit per se gibt, aber dass richtige Glas-Kunst mehrere Epochen überdauern. Kann, aber dass es dafür keine ganz allgemeine Formel gibt, weil jede Epoche an für sich eine ganz eigene Stilistik hat oder auch in jeder Epoche es wieder unterschiedliche Designer gibt, die unterschiedliche Vorstellungen haben, aber diese Stücke an für sich durchaus zeitlos werden können.
[00:15:42] Speaker C: Das führt eigentlich unmittelbar für mich zu der Frage, was denn eine Marke wie Josefinenhütte über die Zeit hinweg zusammengehalten hat oder auch heute noch zusammenhält, sowohl formal als auch inhaltlich. Ihr blickt auf eine lange Geschichte zurück, auf die ihr baut.
Welche Elemente sind denn dann vor allem heute noch präsent?
[00:16:09] Speaker A: Also ich glaube, der Zusammenhalt der heutigen Firma ist auf jeden Fall auf Leidenschaft für Genuss gegründet. Also da gibt es eine große Vision irgendwie, die uns alle antreibt, wo wir schon das Ziel haben, einfach zu verändern, wie Menschen Genuss erleben, aber auch inspiriert natürlich von der Vergangenheit. Also die historische Josefinenhütte wurde 1842 schon gegründet und interessanterweise ist natürlich inspiriert uns irgendwie die Handwerkskunst und dieses traditionelle Glasmacherhandwerk von damals und wie viel Liebe zum Detail, die damals schon an den Tag gelegt haben Aber was uns auch wahnsinnig inspiriert bis heute war, dass die historische Josefinenhütte immer schon dafür bekannt war, innovativ zu sein, ihrer Zeit eigentlich damals schon immer voraus zu sein und auch Dinge anders zu denken, sich nicht an Standards zu halten oder einfach den Status quo zu akzeptieren, sondern immer wieder zu hinterfragen und besondere Glaswaren zu machen. Und ich glaube, das ist definitiv was, was uns heute nach wie vor antreibt und wo wir auch wahnsinnig dankbar sind, dass wir Kurt in unseren Reihen haben können und auf seine Expertise und jahrelange Erfahrung und eben seinen Innovationsgeist heute irgendwie zurückgreifen können.
Das ist definitiv was, was uns zusammenhält und antreibt.
[00:17:30] Speaker C: Ja, und da kann ich an der Stelle auf jeden Fall empfehlen, auch mal auf eurer Website bzw. Eurem YouTube Kanal den kleinen Film mit ihm zu schauen, wo ich finde, sehr gut rüberkommt, wie er als Designer denkt und auch die Leidenschaft, die du gerade beschrieben hast, auf jeden Fall gut rüberkommt. Ein ganz, ganz schöner Imagefilm, wo man aber auf jeden Fall merkt, dass die Inhalte aus ihm kommen. Also da merkt man, das ist ihm jetzt nicht von Agentur in den Mund gelegt worden, sondern man hat wirklich das Gefühl, ihn so ein bisschen als Charakter und Persönlichkeit auch kennenzulernen. Finde ich ganz spannend. Und abgesehen davon, wie das Handwerk funktioniert, also das ist ja für mich auch eine Riesenfaszination, kann mich hier auch als Fan der Netflix Serie Blown Away, aber das ist jetzt auch, also wenn es um Glaskunst geht, für mich auch die große Kunst, dass man es wirklich schafft, ein Produkt in Serie so zu produzieren, dass es letztendlich dann auch wirklich identisch, also zumindest für das menschliche Auge identisch und von den Eigenschaften gleich funktioniert. Also es ist für mich einfach unmöglich zu verstehen. Und in diesem Video sieht man es eben auch so ein bisschen.
[00:18:45] Speaker A: Ja, also es ist auch wahnsinnig faszinierend, wenn du wirklich vor Ort in der Hütte bist und siehst, wie teilweise archaisch dieses Handwerk ist, aber wie viele Stellschrauben da drin sind, die man drehen muss, um am Ende bei diesem Produkt rauszukommen und wie viel da eigentlich schiefgehen kann bei jedem einzelnen Glas immer und immer wieder.
Und also da können, wenn der Erste, wenn derjenige, der den Flüssigen Glaskübel zum Beispiel aus dem Ofen rausnimmt, schon zu viel Glas nimmt, wird das Glas nachher zu schwer. Also die auf dem restlichen Weg können eigentlich mehr oder weniger alles richtig machen, aber das Glas ist nachher mit hoher Wahrscheinlichkeit zu schwer, also müssen wir es aussortieren. Oder er nimmt zu wenig, dann kann der Glasbläser oder die Glasbläserin die Form nicht richtig ausblasen. Und das ist nur eine von vielen Stellschrauben, wo potenziell was schiefgehen kann. Und hast du dir mal Gedanken gemacht, wie viele Leute man braucht, um ein Glas herzustellen?
[00:19:40] Speaker C: Puh, wenn du so fragst, sind es sicherlich mehr, als ich denke. Also ja, ich finde vor allem schwierig, wie du sagst, es hat so was Archaisches. Letztendlich produziert es sicherlich mehr als 10 Gläser am Tag. Von daher, ich sag mal 10, 10
[00:19:57] Speaker A: ist echt eine gute Schätzung.
Kommen noch ein paar dazu. Wenn man die komplette Wertschöpfungskette, also von jetzt nicht nur das eigentliche Blasen, sondern auch das Schleifen, das Abtrennen des Glashuts im Endeffekt später und dann das Verpacken, was auch alles von Hand passiert, dann sind es wahrscheinlich nachher je Nach Team so 12, 13 Leute, manchmal vielleicht auch 14, die man braucht, um so ein Glas herzustellen.
[00:20:24] Speaker C: Und wie viel schafft ihr dann am Tag?
[00:20:27] Speaker A: Es kommt immer auf das Team an und die Ausschussquote, aber immer wahnsinnig schwer zu sagen. Ich würde mal sagen zwischen 300 und 500, aber also ohne ohne Gewehr. Das schwankt. Das schwankt immer sehr, sehr stark.
[00:20:42] Speaker C: Okay, ja, Wahnsinn.
Um jetzt noch mal auf das Design zurückzukommen.
Eure Gläser haben ja ein sehr charakteristisches Design. Also ich beschreibe es mal ganz laienhaft, da Knicke drin, die man immer wieder findet, die man so, die ich zumindest so bei anderen Marken so noch nicht gesehen habe. Inwiefern ist das denn auch visuell wichtig für eine Wiedererkennbarkeit? Wie viel Kontinuität brauch eine Marke wie Josefinenhütte, dass das Glas eben immer auf den ersten Blick erkennbar ist?
[00:21:15] Speaker A: Ich glaube, dass Wiedererkennbarkeit in der Form wahnsinnig wichtig ist für eine Marke, da das in gewisser Weise auch Identität stiftet. Und das ist auch Kurt zum Beispiel sehr, sehr wichtig, dass es erkennbar ist, dass es eine Handschrift gibt.
Und gleichzeitig ist es aber auch für uns wichtig zu akzeptieren, dass es keine allgemeingültige Schablone gibt, die du einfach über alle Getränke drüber stülpst und dann kommt da was total Gutes bei raus, sondern dass es vielmehr darum geht, jedes Getränk sich einzeln anzugucken, zu überlegen, was hat das Getränk für Eigenheiten und Bedürfnisse und sich dann darauf zu fokussieren und versuchen, die beste Bühne dafür zu entwickeln. Und ich glaube, dass deswegen für uns auch Kontinuität so in unserem Credo, also der Shape of Taste liegt. Also der Shape of Taste ist was, was uns antreibt, für jedes Getränk die bestmögliche Form zu finden und damit eigentlich dem Geschmack, den das Getränk mit sich bringt, eine Bühne zu geben oder eine Form zu geben auch. Und diese Form wiederum ist dann schon geprägt von stilbildenden Elementen, die Kurt über die Zeit entworfen hat. Und da gibt es, hat er jetzt natürlich über Jahrzehnte lang sich ein gewisses Wissen erarbeitet, was gewisse Formen oder gewisse Elemente ausmachen können und die werden dann aber so adaptiert, dass sie dem jeweiligen Getränk bestens stehen und dazu führen, dass du das in allen Nuancen wahrnehmen kannst.
[00:22:49] Speaker C: Wie viel von dem, was wir beim Trinken so wahrnehmen, würdest du denn sagen, liegt tatsächlich im Getränk und wie viel am Objekt, aus dem wir trinken?
[00:23:00] Speaker A: Ja, das ist natürlich eine allgemein sehr schwierig zu beantwortende Frage, aber also meiner persönlichen Erfahrung nach hat das Glas einen wahnsinnig großen Einfluss auf unsere Wahrnehmung und vor allem auch darauf, welche Charakterzüge von einem Wein ich wahrnehme oder generell von einem Getränk, was ich wahrnehme und wie intensiv ich die einzelnen Komponenten wahrnehme. Und ich mache teilweise immer wieder Blind Tastings mit Menschen und schenke den gleichen Wein ein in zwei unterschiedliche Gläser und dann frage ich sie ganz ohne sie in die Irre zu führen, was sie denn denken, was in Glas 1 drin ist und was in Glas 2 drin ist. Und die verkosten das und wirklich 95 Prozent denken, dass es zwei unterschiedliche Weine sind. Und es führt immer wieder zu wahnsinnig vielen Aha Momenten, wenn ich danach auflöse und sag so, ja, war tatsächlich der gleiche Wein.
Und deswegen glaube ich, dass der Einfluss des Glases schon sehr, sehr groß ist. Wir haben aber auch Experimente gemacht, das ist, glaube ich, auch ganz spannend.
In denen dann rauskam, dass das auch ein Stück weit davon abhängig ist, wie gut dein Gaumen schon ausgebildet ist oder wie hoch deine Expertise im Verkosten ist. Also zum Beispiel bei Laien, die noch nie Wein getrunken haben und trinken Wein aus zwei unterschiedlichen Gläsern, denen fällt es schwer, nuancierte Unterschiede festzustellen. Aber jemand, der so intermediate ist oder wirklich professionell sich mit Wein beschäftigt, die haben eine sehr, sehr hohe Sensibilität dafür und merken Unterschiede wahnsinnig schnell und dann auch deutlicher.
[00:24:34] Speaker C: Ja, wir können es unseren Zuhörern und Zuhörern kein Glas hinhalten, aber kannst du vielleicht, um das noch ein bisschen zu versinnbildlichen, beschreiben, wie genau diese Wahrnehmung von was da allem dazugehört, Duft, Fruchtigkeit, Frische, Struktur, Textur, auch wie sich das eben verändern kann durch das richtige oder falsche Glas?
[00:24:57] Speaker A: Klar, also ich versuche es gerne. Also für mich fängt eigentlich alles schon damit an, wenn ich das Glas zum ersten Mal in die Hand nehme, der erste haptische Eindruck. Und das macht für mich einen Unterschied. Das geht für mich so weit, dass das sogar den Rhythmus an einem Tisch verändern kann. Also wenn ich jetzt an einem Tisch sitze in einer Gruppe und da stehen 4 Gläser und 4 ganz gewöhnliche Gläser und das Glas ist in dem Moment nur ein Sidekick, ist kein besonderes Glas, sondern führe ich das einfach zum Mund und trinke. Das beeinflusst mich in dem Moment gar nicht. Aber wenn ich jetzt das Glas, das auf dem Tisch steht, angreife und es hat eine besondere Haptik, das ist relativ leicht, das ist zart, der Stil fühlt sich irgendwie organisch an, dann ist es so für mich der erste Moment des Innehaltens. Dann denke ich erst, okay, wow, krass, hier passiert irgendwas und bin automatisch aufmerksamer und verlangsame vielleicht auch den Rhythmus, dann fange ich an, das Glas zu schwenken und nehme wahr. Und das finde ich ist eine Eigenheit unserer Gläser, dass ich weine unglaublich gerne in diesem Glas oder in den Gläsern schwenke, weil die Form wirklich dazu einlädt. Und das ist, glaube ich, auch ein stilbildendes Element des Glases. Dieser Knick lädt dich wirklich dazu ein, die Flüssigkeit in dem Glas zu schwenken. Und also das geht jetzt ein bisschen nahtlos über in die einzelnen Komponenten, aber ich glaube Der Knick ist eines dieser stilbildenden Elemente und für mich lehrt er sich zum einen einzuschwenken und zum anderen vergrößert er die zur Verfügung stehende Oberfläche, was dazu führt, dass der Wein schneller mit Sauerstoff interagieren kann, unterschiedliche Aromen entwickeln, andere gehen wieder ein Stück zurück. Also der Wein verändert sich relativ schnell in dem Glas und zeigt sich mehr.
Und dieser Knick führt eben dazu, dass du beim Schwenken die Flüssigkeit wieder aufbrichst und durch dieses Aufbrechen der Flüssigkeit wird die Oberfläche noch größer und du kriegst noch ein bisschen mehr Sauerstoff rein, was insgesamt dazu führt, dass du ein Mehr an Expression kriegst. Und dann ist die Geometrie des Glases eigentlich so angelegt, dass unten Aromen sich lösen können. Also im ersten Schritt formen wir die Sachen, die im Wein sind, zugänglich machen und im zweiten Schritt geht es dann wieder darum, das, was sich gelöst hat, zu konzentrieren und der Rest der Form ist dann eher auf die Konzentration aufgelegt bzw. Der Glasrand dann auch, um die Flüssigkeit sehr, sehr nahtlos in deinen Mund gleiten zu lassen. Also es geht eigentlich beim Trinken nie wirklich um das Glas, sondern es geht immer um den Inhalt und wir versuchen eigentlich alles zu machen, um den Inhalt dir bestmöglich zugänglich zu machen und dem Inhalt so die bestmögliche Bühne zu bieten, um sich komplett entfalten zu können.
[00:27:28] Speaker C: Ja, ganz spannend. Man kriegt auf jeden Fall sofort Lust, das mal auszuprobieren.
Auch nach deiner Erzählung mit den Türen. Da hast du es ja schon so ein bisschen als Analogie ein bisschen erzählt, dass du da neue Räume entdeckt hast.
Das finde ich insofern spannend, weil das ja jetzt nicht unbedingt was Messbares ist. Also in dem Moment, wo so eine Sensorik und Geschmack ins Spiegel kommen, ist es natürlich auch immer sehr persönlich, was da passieren kann. Und das ist wahrscheinlich auch schwer zu verkaufen in dem Sinne, oder? Also ich stelle es mir schwierig vor, dieses Erlebnis eben an einen Kunden zu verkaufen. Wie kriegt ihr, wie kriegt ihr das hin?
[00:28:16] Speaker A: Ja, das ist, das ist auch eine Herausforderung. Natürlich. Die Käse sind jetzt auch nicht, also sie sind Preis wert, aber sie sind nicht günstig. Ich glaube, sie sind auf jeden Fall den Preis wert, aber kostet schon ein bisschen was. Und ich glaube, die beste Taktik oder meiner Erfahrung nach ist es immer am besten, wenn die Leute das selber ausprobieren können. Also Ich kann dir 27 mal erzählen, dass das ein tolles Glas ist und dass da was passiert. Aber wenn du das einmal am eigenen Leib erfahren hast, dann ist es viel, dann hast du es erlebt, dann brauche ich es nicht mehr zu erklären, sondern dann hast du die Erfahrung gemacht und kannst es für dich einordnen. Und ich glaube, dass dann die Bereitschaft, dieses Geld zu investieren, um dieses Erlebnis immer wieder haben zu können, durchaus hoch ist. Und deswegen ist für uns ist auch gar nicht so unglaublich relevant, jetzt in vielen Retail Stores zu stehen, was wir eigentlich vermeiden. Also wir versuchen eigentlich direkt zu verkaufen an den an den Endverbraucher, weil wir den direkten Kontakt haben möchten. Und deswegen ist die Gastronomie oder die Spitzengastronomie für uns aber natürlich wahnsinnig wichtig, weil wir dort erlebbar werden. Das sind eigentlich unsere Showrooms sozusagen dann wirklich mit Sommeliers auf der ganzen Welt zusammenzuarbeiten, die diese gleiche Leidenschaft teilen und die auch wissen, was wir uns dabei gedacht haben, wie die Formen entstanden sind und das dann natürlich auch einem Gast erklären können. Jetzt gar nicht jedes Mal dir das aufs Auge zu drücken, was das für ein tolles Glas ist, aber ganz oft kommen Rückfragen von ganz allein dadurch, weil Menschen halt selber dieses Erlebnis haben. Und das ist, glaube ich, sehr viel eindrücklicher, als es immer wieder zu erzählen.
Und gleichzeitig machen wir natürlich Online Marketing auch das ist dann wichtig. Also es ist nicht das eine oder das andere, sondern ich glaube, es ist genau dieses Zusammenspiel aus Online und physischer Präsenz oder einfach das Erleben.
[00:30:05] Speaker C: Ja, lass uns noch über die Zusammenarbeit mit Kurt Josef Salto sprechen. Das klingt ja, als ob du schon wahnsinnig viel auch von ihm gelernt hättest. Wie arbeitet ihr zusammen? Wo ergänzt ihr euch? Habt ihr manchmal auch Meinungsverschiedenheiten?
[00:30:22] Speaker A: Erfreulicherweise eigentlich relativ wenige Meinungsverschiedenheiten, sondern ich glaube, wie ich so ein bisschen anfänglich auch erwähnt habe, ich bin schon jemand, der versucht, Dinge immer wieder auch zu pushen und zu hinterfragen. Und das Coole bei Kurt ist, dass er auch einen irrsinnig hohen Qualitätsanspruch hat und der will nichts machen, außer irgendwie das in dem Moment Beste. Und das führt uns immer wieder zusammen und vereint uns da und er überrascht mich halt wirklich einfach nach wie vor immer wieder mit neuen Formen, die ich so nicht vorher auf dem Schirm hatte. Und das macht es einfach sehr wertvoll. Und wenn wir zusammen verkosten, ist es ganz oft so, dass er unheimlich schnell die Gedanken, die ich beim Verkosten mit ihm teile, in neue Formen übersetzt. Also das ist nach wie vor was, was mich total fasziniert. Wir sitzen quasi simultan am gleichen Tisch, verkosten beide das gleiche Getränk und ich schildere ihm dann Meine Eindrücke aus 7, 8 unterschiedlichen Prototypen und er verarbeitet das so schnell, dass er eigentlich nebenher schon anfängt, neue Skizzen zu zeichnen. Und diese Skizzen übersetzen wir dann wieder in neue Prototypen. Und so ist eigentlich, das ist so ein iterativ laufender Prozess, der mir sehr, sehr viel Freude macht. Auf jeden Fall kann man sich auf
[00:31:42] Speaker C: jeden Fall auch sofort in so einem Imagefilm gut vorstellen. Das ist fast ein bisschen zu bilderbuchartig, als man sich das in der Realität vorstell vorstellen würde.
Am besten noch so auf dieser Wirte gezeichnet.
[00:31:58] Speaker A: Also ist es meistens so ein kleines Notizbuch, was er dabei hat.
Das sind wirklich so ein kleines Scribble Notizbuch, wo dann so die ersten Skizzen entstehen und dann zeichnet er die natürlich nachher noch mal sauber nach. Aber so diese ersten Ideen hat schon so ein bisschen, also servierten Style in etwas gehobener Form, würde ich sagen.
Das ist schon wirklich cool.
[00:32:24] Speaker C: Ja, und du arbeitest ja eigentlich an einer Stelle, wo in deinem Kerngebiet und deine Kernexpertise, sensorische Analyse, aber eben auch Produktentwicklung und Marke zusammenkommen. Wie bringst du das alles unter einen Hut? Das klingt ja schon seit nach sehr vielen verschiedenen Hüten schon, die du da auf hast. Wie balancierst du das aus?
[00:32:47] Speaker A: Ja, ich, also ich glaube, dass die drei Dinge auf jeden Fall zusammenspielen müssen. Also in der Praxis habe ich tatsächlich gemerkt, dass die einzelnen Hüte zu groß sind, als dass ich sie alle alleine tragen könnte. Deswegen fokussiere ich mich mehr auf Produktentwicklung und um Marke kümmern sich eigentlich jetzt auch andere im Team, was total gut ist und uns, glaube ich, weiterbringt. Aber ich bin einfach felsenfest davon überzeugt, dass diese drei Dinge zusammenspielen müssen. Und für mich sind die die Produkte oder bilden die Produkte das Fundament der Marke. Das ist so unsere Existenzberechtigung und gleichzeitig auch die Grundlage, um die Marke aufzubauen.
Und in diesem Konstrukt, so dieses Zusammenspiel aus sensorischer Analyse, kurz intuitivem Design und diese gesamte Produktentwicklung, die uns hilft, dieses Fundament zu legen und auch immer wieder zu erweitern.
Und gleichzeitig ist der Markenaufbau unheimlich wichtig, da wir direkt mit unseren Kundinnen kommunizieren und die Marke am Ende des Tages maßgeblich darüber entscheidet, wie unsere Gläser und wir am Markt wahrgenommen werden. Und das muss irgendwie balanciert sein. Intern hinter den Kulissen stecken wir wahnsinnig viel Zeit in das Verstehen von Zusammenhängen irgendwie versuchen immer in jedem Bereich eigentlich die Extrameile zu gehen. Und gleichzeitig ist es halt wichtig, dass das, was wir nach außen transportieren, trotzdem verständlich ist und vor allem auch emotional und nicht zu technisch, nicht zu abgehoben oder zu abstrakt. Und das fällt mir manchmal total schwer, auch selber in der Kommunikation, weil ich dann oft abdrifte und manchmal den Faden verliere. Aber das ist eigentlich super wichtig in der Kommunikation, da Wert zu legen auf eine gewisse Emotionalität und Verständlichkeit, um Menschen zu begeistern und auch mitzunehmen auf diese spannende Reise. Und deswegen ist es einfach super wichtig, diese Ebenen zusammenzubringen.
Ich glaube, wir haben das große Glück, wahnsinnig viele und sehr emotionale Geschichten erzählen zu können. Also sowohl irgendwie über die Fertigung, weil das natürlich einfach per se ein faszinierender Prozess ist, dieses Handwerk alleine, das Zusammenspiel von Feuer und Wasser beim Runterkühlen und dieses, das sind tolle Bilder, die eine Geschichte erzählen. Und dann auf der anderen Seite, wenn das Produkt aber auch den Weg in die Praxis findet und benutzt wird, auch da entstehen einfach wahnsinnig tolle Geschichten rund um die Welt und die zu erzählen ist für uns als Marke natürlich auch total cool.
[00:35:15] Speaker C: Was jetzt unsere Zuhörer und Zuhörerinnen wahrscheinlich brennend interessiert, ist deine Empfehlung, wenn es darum geht, ein Weinglas oder ein Getränke Trinkglas auszuwählen. Nach welchen Kriterien sollte man sich da richten?
[00:35:33] Speaker A: Das ist eine spannende Frage. Also es gibt da ja wahnsinnig viele, viele unterschiedliche Ansätze. Zum Beispiel beim Wein angefangen von der Unterscheidung Rotwein und Weißweinglas ist im Endeffekt nach Farbe. Dann gibt es den weit verbreiteten Ansatz, Weingläser nach Rebsorten auszusuchen.
Ja, ich tue mir mit beidem ein bisschen schwer, ehrlich gesagt, weil ich glaube, dass es die Dinge teilweise zu sehr vereinfacht oder dann auch wieder zu sehr verkompliziert auf eine nicht zielführende Art und Weise. Ich würde es empfehlen, Weingläser basierend auf zwei unterschiedlichen Blickwinkeln auszusuchen. Der erste Blickwinkel ist quasi der der Herstellung oder wie wir Weingläser machen. Da basiert der Ansatz eher auf Weinstilistiken und auf eine Weinstilistik zahlt natürlich die Rebsorte ein, da zahlt auch unter Umständen die Farbe des Weines drauf ein, da zählt die Region dazu. Aber vor allem zahlt darauf ein, wie ein Wein hergestellt wurde. Hat der Winzer viel Holz benutzt? Hat der Winzer mit einer langen Extraktion gearbeitet, mit einer kurzen? Hat der Wein viel wenig Sauerstoff gesehen? Also wie hat der Winzer den Wein eigentlich gemacht? Weil daraus sich zum einen ableitet, welche Merkmale eines Weins sehr stark ausgeprägt sind und das natürlich gewisse Implikationen ans Glas stellt. Jetzt hört sich das alles, glaube ich, unglaublich kompliziert an und hat jetzt wahrscheinlich deine Weinglaswahl heute Abend noch nicht einfacher gemacht.
Und deswegen ist es aber, glaube ich, wichtig, dass wir so ein paar Informationen als Marke bereitstellen, um so ein grobes Verständnis dafür zu schaffen, welche Form sich wie auf den Wein auswirkt. Es gibt zum Beispiel Glasformen, die betonen eher eine dichte, konzentrierte Textur.
Da wirkt ein Wein auf einmal sehr ölig, sehr viskos, aber vielleicht zeigt dieses Glas dann den Wein gar nicht in all seinen aromatischen Facetten, wohingegen ein anderes Glas den Wein vielleicht mit ein bisschen mehr Säuredynamik zeigt, vielleicht auch ein bisschen mehr Gerbstoff, also Tannin, offenbart aber eine höhere aromatische Komplexität. Und ich glaube gar nicht, dass es da ein richtig oder falsch gibt, sondern da kommt die zweite Perspektive rein und das ist deine persönliche Präferenz. Also wir haben vier Weingläser und aus welchem Weinglas du jetzt deinen Lieblingswein heute Abend trinkst, hängt maßgeblich von dir ab in meinen Augen. Also ich kann dir Versuch dir zu erzählen, was das Glas ungefähr mit dieser Weinstilistik, die du heute Abend trinken wirst, macht. Auch da gibt es immer wieder Ausnahmen. Also wir haben wahnsinnig viel verkostet, um das irgendwie bisschen zu verallgemeinern, aber da gibt es immer wieder Ausnahmen trotzdem und aber am Ende des Tages entscheidest du, möchte ich jetzt den Wein heute Abend aus dem Glas trinken, was den Wein sehr, sehr ölig, sehr viskos, sehr dicht macht? Oder möchte ich vielleicht die komplette aromatische Bandbreite haben und den Wein in einer höheren Dynamik heute Abend trinken.
Und vielleicht machst du es so und deine Partnerin oder dein Partner macht es anders. Ihr trinkt den gleichen wein, habt aber zwei unterschiedliche Interpretationen des Weins, weil ihr zwei unterschiedlichhe Gläser benutzt und dabei echt eine gute Zeit, weil jeder genau das bekommt, was er eigentlich will.
[00:38:42] Speaker C: Also insofern gibt es da keine Perfektion, außer das, was man individuell eben als besonders angenehm empfindet.
[00:38:54] Speaker A: Ja, ich glaube, aus der Perspektive derjenigen, die diesen Wein herstellen, gibt es, glaube ich, schon so ein Idealbild, wie der oder sie sich den Wein gedacht hat. Und dann gibt es in der Regel schon Gläser, die diese Interpretation des Weins bestmöglich transportieren.
Ob das dann die Version des Weins ist, die du sehen willst, sei dahingestellt. Aber ich glaube, es gibt schon Gläser, die diese Vision des Winzers, der Winzerin sehr, sehr gut transportieren. Und das ist für uns natürlich immer super wichtig, wenn wir ein Glas herstellen, dass wir auch mit den Leuten sprechen im Prozess, die diese Getränke herstellen, sei das jetzt Wein oder Spirituose und jetzt nicht ein Glas konzipieren, wo der Wein vielleicht gut rüberkommt, aber wo einfach nichts eigentlich von der ursprünglichen Vision des Produzenten drinsteckt.
[00:39:45] Speaker C: Ich finde tatsächlich so alkoholfreie Weine gar nicht so unspannend. Kombucha, so Busch und so finde ich eigentlich, sofern es nicht sofort zu süß ist, finde ich eigentlich schon spannend. Macht ihr auch Kombucha Gläser?
[00:39:57] Speaker A: Ne, noch nicht. Also das ist ja auch die philosophische Frage, wo machst du brauch alles in eigenes Glas? Und das ist, glaube ich, eigentlich nicht.
Es gibt immer wieder Kernelementen, die unterschiedliche Getränke teilen.
Kombucha hat eine ganz eigene Säure, ist relativ viel Essigsäure oft drin, was eine relativ aggressive Säure ist. Und das ist eine Komponente, mit der du umgehen musst. Und braucht man dafür jetzt ein eigenes Glas? Maybe. Aber vielleicht gibt es auch schon Glasformen, die prinzipiell ganz gut mit einer hohen Säure umgehen können und gleichzeitig aber auch die Komplexität von so einem Getränk betonen. Ich glaube, zum Beispiel, dass unser unser Schaumwein Glas eigentlich sehr, sehr gut mit Kombucha funktioniert, weil du die Perlage durch die Form relativ lange hältst und gleichzeitig das Glas eigentlich alles relativ frisch und spritzig rüberkommen lässt, also so Aperitif Vibes transportiert. Und da funktioniert so was wie Kombucha eigentlich ziemlich gut drin.
[00:40:53] Speaker C: Also um im Bild des Glases und des Kristalls zu bleiben, es ist facettenreich und genauso facettenreich war auch das, was ich heute gelernt habe, Glas. Vielen, vielen Dank dafür, Lukas, auch für
[00:41:07] Speaker B: deine Zeit und alles, alles Gute.
[00:41:10] Speaker A: Vielen Dank für den Podcast. Hat mich gefreut und hat Spaß gemacht. Danke dir.
[00:41:18] Speaker B: Das war die heutige Episode des Chapter Talks Podcast. Mein Name ist Timo Schmid und ich bedanke mich im Namen des gesamten Chapter Teams fürs Zuhören. Wir würden uns freuen, wenn Sie unseren Podcast Kanal abonnieren, teilen und kommentieren. Regelmäßige Updates und multimediale Features rund um die Themen Design, Innovation und Mobilität finden Sie auf Chapter Digital und auf Instagram. Dort finden Sie uns unter Chapter Magazine.